Ein Etikett designen: Der ultimative Guide

Ein tolles Etiketten-Design ist für Unternehmen nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch ein hervorragender Raum, um Kreativität auszuleben. Während Logos oftmals klein und vielseitig ein müssen, bieten Etiketten eine sehr viel größere Fläche. Aber kreatives Etiketten-Design muss auch einen Zweck erfüllen: nämlich potenziellen Käufern und Käuferinnen Informationen über ihren Kauf bieten. Sie können dies sowohl auf direkte Weise – mit einem Text, der das Produkt kennzeichnet und beschreibt,  als auch indirekt – mithilfe von Farben und Grafiken, die das Gesamterlebnis vermitteln. Im Großen und Ganzen schürt man mit dem Design eines Etiketts eine Erwartung, weshalb es äußerst wichtig ist, die richtige Botschaft zu vermitteln.

illustration: frau designt ein etikettDesign von OrangeCrush

Ein Etikett zu designen mag zunächst nach einem kompliziertem Unterfangen klingen. Etiketten müssen herausstechen und die einzigartigen Qualitäten eines Produkts vermitteln und gleichzeitig zur etablierten Marke des Unternehmens passen. Es gibt auch technische Aspekte zu beachten: Welche Informationen sollen wo auf dem Etikett zu sehen sein, welche Form hat das Behältnis und welche Einschränkungen bringen die Druckkosten mit sich? Um all diese Überlegungen zu vereinfachen, erklären wir dir in diesem Artikel Schritt für Schritt, wie man ein Etikett designt.

Checkliste für Produktetiketten

Bevor du ein Etiketten-Design anfertigen oder in Auftrag geben kannst, gibt es ein paar Dinge, die der Designer oder die Designerin vorab vom Kunden benötigt. So verläuft der Designprozess reibungsloser und man verhindert überhastete Designänderungen aufgrund mangelhafter Planung.

Verpackungsmaße

Die Verpackung kommt natürlich vor dem Etikett. Recherchiere zunächst Verpackungslieferanten oder -hersteller (eine schnelle Google-Suche hilft dir, welche in deiner Nähe zu finden) und entscheide dich für ein Behältnis. Achte auf Materialien, Größe/Form und Preise für Großbestellungen.

Es gibt übliche Etikettengrößen für die meisten Standardverpackungen, zum Beispiel eine 0,33 l Bierdose oder eine 750 ml Weinflasche. Solange du die Verpackungsmaße kennst, können Designer und Designerinnen die passende Etikettengröße bestimmen.

Etikettendesign für einen CocktailsirupDesign von green in blue

Druckerei

Die Druckerei nimmt die fertige Designdatei und macht daraus dein fertiges Etikett. Zur guten Vorausplanung gehört, die technischen Anforderungen der Druckerei sowie ihre Preise in Erfahrung zu bringen, bevor du dich an einen Designer oder eine Designerin wendest. Recherchiere also z. B. Dateiformate, Größenbeschränkungen, Kosten für zusätzliche Farben oder schicke Extras wie Folierung, Finishes und Mattierungen. Manche Druckereien (z. B. Vistaprint) bieten gebrauchsfertige Etiketten-Vorlagen basierend auf den Maßen deiner Verpackung.

Die Druckerei zeitgleich mit deinem Verpackungslieferanten auszusuchen wird dir dabei helfen, sicherzustellen, dass die Etikettengröße und der Kleber mit der Form und dem Material deiner Verpackung kompatibel sind. Manche Verpackungslieferanten fungieren auch gleichzeitig als Druckerei oder haben Druckereien, die sie empfehlen können (oder umgekehrt).

Logo und Branding

Ein Etiketten-Design ist kein Ersatz für ein Logo und es ist ein häufiger Anfängerfehler, ein Etikett designen zu lassen, bevor sich über die Unternehmensmarke Gedanken gemacht wird. Ein Logo repräsentiert die Identität des Unternehmens durch ein vereinfachtes Symbol, wohingegen ein Etikett mehr oder weniger ein Wegweiser für ein bestimmtes Produkt ist.

Ein Etiketten-Design ist Teil der Markenidentität und daher ist es wichtig, dass dein Logo und deine Marke bereits vorher fertig sind. Dazu gehören Überlegungen wie Markenfarben und Schriftarten, die von den Designschaffenden genutzt werden, damit das Etikett optisch zum Rest deiner Identität passt.

Ein Logo- und Etikettendesign für ein SeifenproduktEin Etikett enthält ein Logo, aber es handelt sich um zwei separate Designprojekte. Design von C1k

Produktbeschreibung

Die Beschreibung liefert praktische Informationen zum Produkt – in der Regel in Form von Absätzen, die sich die Kunden und Kundinnen in Ruhe durchlesen können. Die hier enthaltenen Infos hängen von deinem Produkt ab. Ein medizinisches Produkt wie etwa ein Nahrungsergänzungsmittel würde Gebrauchsanweisungen, Schritte und Warnungen enthalten. Alkoholische Getränke dagegen geben den Alkoholgehalt in Prozent an. Aus diesem Grund sollte ein Texter oder eine Texterin im Vorhinein den Text erstellen, sodass die Designer und Designerinnen genau wissen, wie viel Platz sie lassen müssen.

Nährwertangaben oder Inhaltsstoffe

Nährwertangaben geben die Inhaltsstoffe und ihre Mengen in einer Tabelle an, vor allem für verzehrbare Produkte. In dieser Phase ist es besonders wichtig zu wissen, mit wie vielen Inhaltsstoffen du arbeitest, da dies darüber entscheiden wird, wie groß die Tabelle sein muss.

Etikettendesign für ApfelsaftEtiketten-Design von 20139gph

Zertifikate und andere Symbole

Manche Produkttypen benötigen bestimmte Symbole, die schnelle Informationen liefern. Dies sind beispielsweise einige weitverbreitete Symbole auf Lebensmittel– und Kosmetikverpackungen. Sie werden in der Regel von Behörden vergeben, sobald dein Produkt für den Verkauf zugelassen ist. Auch wenn jedes Symbol für sich nicht viel Platz benötigt, können sie zusammengenommen andere Designelemente verdecken, also achte darauf, dass auch diese Symbole im Design berücksichtigt werden.

Barcode

Barcodes werden von der Nonprofit-Organisation GS1 vergeben und du kannst sie auf ihrer Website erwerben. Wenn du dich dazu entscheidest, einen Barcode nach dem Designen des Etiketts zu erwerben, sollte der Designer oder die Designerin Platz für ihn lassen und dir erklären, wie man ihn später zur Designdatei hinzufügt.

Etikettendesign für einen ZeltträgerEtiketten-Design von Luz Viera

Kreativ-Briefing

Das Kreativ-Briefing ist ein einzelnes Dokument, in dem dein Projekt beschrieben wird. Es enthält technische Anforderungen und ästhetische Präferenzen. Sinn des Kreativ-Briefings ist, das Projekt durch den Designprozess zu führen. Im Kreativ-Briefing sammelst du im Grunde alle obigen Informationen und übergibst sie dem Designer oder der Designerin. Darüber hinaus sollte ein Kreativ-Briefing Angaben zur Zielgruppe und Informationen über die Konkurrenz enthalten sowie Beispiele für Etiketten-Designs, die zu deinem gewünschten Stil passen.

Übliche Arten von Produktetiketten

Es gibt eine Reihe gängiger Varianten oder Teile von Etiketten. All diese Teile zu berücksichtigen, bevor du mit einem Designer oder einer Designerin sprichst, wird dir helfen, zu Beginn deines Projekts den richtigen Preis festzulegen.

Einige dieser Varianten hängen von der Form des Behälters ab. Selbst Behälter, die nur ein einziges umlaufendes Etikett haben (z. B. eine Dose) nutzen einzelne Inhaltsbereiche, die einzelne Etiketten imitieren. Um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, wie das funktioniert, schauen wir uns ein paar gängige Beispiele an.

Vorderetikett

Das ist das, woran die Menschen in der Regel denken, wenn sie an Etiketten-Design denken. Es ist das vorderste Etikett und soll das Produkt kennzeichnen sowie durch kreative Gestaltung im Regal (oder einer Shopping-App) herausstechen.

Etikettendesign für Ketchup auf RübenbasisDesign von Mj.vass

Es enthält in der Regel den Produktnamen, den Namen der Geschmacksrichtung, das Logo, den Slogan, dekorative Bilder und Grafiken und zusätzliche Informationen (z. B. Behältergröße, Verpackungsdatum oder Herstellungsort). Da dieser Teil des Etiketts direktes Interesse wecken muss, enthält er in der Regel so wenig Text wie möglich und gut designte Grafiken haben Vorrang.

Rückenetikett

Das Rückenetikett enthält die erweiterte Produktbeschreibung, Inhaltsstoffe, Barcode, Zertifizierungssymbole und alles wichtige Kleingedruckte. Einige dieser Dinge können zusätzlich zur Rückseite auch auf beiden Seiten abgedruckt sein (zum Beispiel bei einem umlaufenden Etikett).

Etikettendesign für mexikanische VanillemarkeDesign von Giocovision

Da in diesem Punkt der Kunde oder die Kundin vermutlich bereits am Produkt interessiert ist (zumindest genug, um es in die Hand zu nehmen und sich die Rückseite anzusehen), besteht der Zweck des Rückenetiketts darin, direkte Informationen so klar wie möglich zu vermitteln. Optisch sollte es zum Vorderetikett passen. Der Text steht im Vordergrund.

Deckeletikett

Kleine Behälter, wie beispielsweise eine kleine Dose, haben ein Etikett auf dem Deckel. Dies hat im Grunde dieselbe Funktion wie ein Vorderetikett. Abhängig von der Größe des Behälters bietet das Deckeletikett eventuell mehr Platz für grafische Elemente als die Vorderseite.

Etikettendesign auf dem Deckel der Dose für RasierschaumDesign von Illustira

Qualitätssiegel

Manche Gläser oder Flaschen haben ein Siegel, das über dem Deckel verläuft und davor warnt, das Produkt nicht zu kaufen, wenn das Siegel defekt ist. Sie sind zwar rein funktional, können aber auch Raum für gebrandete Typografie und dekorative Muster bieten.

Illustratives BieretikettendesignDesign von Andreask84

Flaschenhalsetikett

Manche Flaschen haben ein Etikett am Flaschenhals. Dabei kann es sich um eine verkleinerte Variante des Vorderetiketts handeln, auf dem das Produktlogo und grafische Elemente hervorgehoben werden.

Ein Etikett designen

Entscheide dich, in welche Richtung dein Branding gehen soll

Wie bereits erwähnt sollen Etiketten eine unverwechselbare visuelle Identität für ein bestimmtes Produkt innerhalb einer umfassenderen Unternehmensmarke schaffen. Dazu gehört die gezielte Nutzung von Designelementen, um das Logo und den allgemeinen Brandingstil hervorzuheben. Schau dir an, auf welche unterschiedliche Art und Weise die zwei hier gezeigten Designer mithilfe ihres Etiketten-Designs für Markenkonsistenz sorgen.

Illustrative label design for wine brandDieses Etiketten-Design von G@rry schafft eine subtilere Verbindung zur Marke Salvator Lili. Die Vintage-Illustrationen passen zum gotischen, kalligrafischen Logo und der Hauch von Rot an der Weste des Mannes erzeugt eine direktere farbliche Verbindung.

Um eine unverwechselbare Identität für ein Produkt zu kreieren, muss auf das Geschmacksprofil, den Duft, die Inhaltsstoffe oder was auch immer das Produkt unterscheidet, eingegangen werden. Auch die Farbe kann hier nützlich sein. In den hier gezeigten Etiketten arbeitet Top Level Designer G@rry beispielsweise auf clevere Weise Farben, die zum Geschmack passen, in die Hintergrundillustrationen ein.

Zusätzlich musst du eventuell verschiedene Varianten desselben Etiketten-Designs planen, falls es noch weitere Produkte innerhalb derselben Produktlinie gibt (z. B. unterschiedliche Geschmacksrichtungen). Wenn es diese Produkte noch nicht gibt, sollte das Etikett Interpretationsspielraum lassen, falls in Zukunft weitere Produkte hinzukommen. Dazu wird häufig ein Etikett entworfen, das in verschiedenen Farben funktioniert oder bei dem die Bilder einfach gegen Bilder in einem ähnlichen Stil ausgetauscht werden können. Die Kerzen-Etiketten von Top Level Designer pswizzard haben beispielsweise dieselben verzierten Rahmen, aber unterschiedliche Farben und Bilder, die zu den saisonalen Düften passen.

Illustratives Etikettendesign für eine KerzenmarkeDesign von pswizzard

Erstelle eine Etiketten-Vorlage

Um deine visuelle Richtung umzusetzen, musst du zunächst eine grundlegende Etiketten-Vorlage erstellen. Dabei handelt es sich um eine leere Version der Etikettenform mit genauen Abmessungen. Manche Unternehmen wie beispielsweise Vistaprint bieten fertige Vorlagen für standardmäßige Etikettengrößen an.

Um eine druckbare Datei zu erhalten, muss dass Etiketten-Design irgendwann in einem Designprogramm erstellt werden. Welches Designprogramm dabei verwendet wird, hängt von der Art der verwendeten Bilder ab, zum Beispiel ob im Design Fotos oder illustrierte Grafiken genutzt werden, aber letzten Endes geht es darum, ob das Programm das Dateiformat ausgibt, welches von der Druckerei benötigt wird. In jedem Fall sollte die Designdatei im CMYK-Farbmodus sein, da dies der Standard beim Drucken ist.

Beim Erstellen des Etiketts in der Software musst du zusätzlich Platz über die angegebenen Maße des Etiketts hinaus lassen. Dies nennt sich Beschnitt und soll sicherstellen, dass beim Druck keine leeren Ränder entstehen. Insgesamt musst du folgende Dinge berücksichtigen:

Etikettendesign mit Beschnittlinien zum DruckenDesign von Imee008

  • Sicherheitslinie: Die innerste Linie, innerhalb der sich alle Vordergrundbilder und Texte befinden sollten.
  • Schnittlinie: Die mittlere Linie, an der die Druckerei entlang schneiden wird (entspricht dem Rand der Originalmaße des Etiketts)
  • Anschnittbereich: Die äußerste Linie und zusätzlicher Rand bis zu der die Hintergrundfarben und Grafiken des Etiketts reichen sollen.

Die genaue Größe dieser Ränder können abhängig von der Druckerei variieren, aber in der Regel empfehlen amerikanische Druckereien 0,125 Zoll und europäische Druckereien 3mm.

Erstelle ein Mockup deines Designs

Ein 3D-Mockup ist nicht nur ein nützliches Hilfsmittel, um das Design zu präsentieren oder Werbebilder zu erstellen, sondern ist auch extrem hilfreich, um zu testen, ob das Etiketten-Design funktioniert, bevor man Geld für den Druck ausgibt. Ein Etikett wird auf einer flachen Fläche designt, aber schlussendlich muss man es auf einer physischen (oftmals abgerundeten) Form lesen können, ohne das Worte oder Grafiken verzerrt werden.

Rotierende Animation eines 3D-ProduktetikettenmodellsDesign von Mila Katagarova

Bei den Mockup-Bildern selbst handelt es sich in der Regel um Stockbilder von Drittanbietern (von einem Dienst wie Yellow Images), die man bezahlen muss, wenn man sie kommerziell verwenden möchte. Man kann auch mithilfe von 3D-Programmen wie Blender eigene Stockbilder erstellen (dazu muss man allerdings erst das ganze Programm lernen, jedoch haben Designschaffende so die Möglichkeit, ihre eigenen Stockbilder zu besitzen). Auch Bilder von echten Behältern ohne jeglichen Aufdruck eignen sich dazu. Sobald der Designer das Bild des Behälters hat, wird er das Transformieren-Werkzeug eines Designprogramms wie Photoshop nutzen, um das Etiketten-Design an das Bild anzupassen. Um mehr über diesen Prozess zu erfahren, schau dir unsere Anleitung zu den vier Techniken zur Erstellung eines Mockups an.

Illustratives Etikettendesign für BierflascheDesign von MANTSA®

Vorausgesetzt das Etiketten-Design muss nicht weiter angepasst werden, ist die finale Datei bereit zum Exportieren. Als Erstes wird der Kunde eine bearbeitbare Quelldatei benötigen (z. B. PSD, AI oder ESP). In dieser Quelldatei sollte sich jeder Teil des Designs auf einer eigenen Ebene befinden und klar beschriftet sein. Auch sollte man ein einfaches Vorschaubild, beispielsweise als JPG oder PNG, bereitstellen. Dieses kann auch ein Mockup oder Bilder für Social Media umfassen.

Wenn du Schriften oder Bilder von Drittanbietern verwendet hast, sollte der Kunde darüber informiert werden, wo die Lizenzen erworben werden können. Sobald die finale Datei übergeben wurde, sollten Designer und Kunde weiterhin in Kontakt bleiben, falls es Probleme beim Druck gibt, die schnell gelöst werden müssen.

Designe ein Etikett, das haften bleibt

Bei allen kreativen Möglichkeiten, die ein Etikett bietet, gibt es doch Einschränkungen. Von den Spezifikationen der Druckerei über die Form des Behälters bis hin zu den erforderlichen Informationen und dem bereits vorhandenen Branding müssen viele Details geklärt werden, um ein Etikett zu designen. Erst wenn Designschaffende innerhalb dieser Einschränkungen kreativ werden und etwas liefern, das mehr ist als ein Aufkleber auf einer Verpackung, können Etiketten entstehen, die wirklich etwas Besonderes sind. Wenn du also bereit für dein eigenes großartiges Etikett bist, mache dich auf die Suche nach dem perfekten kreativen Kopf!

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